Thomas C. Breuer

Undatierter Beitrag

Aus seinem neuen Schweizbuch

Schöftland AG: Rein in die Kartoffeln! Der Suhrentallinie eignet nichts Spektakuläres, zehn Kilometer in einem Waggon, der eher einer Strassenbahn gleicht als einem richtig Zug. Die „Eisenbahn Hall of Fame“ wird ihm wohl immer verschlossen bleiben. Schöftland ist ein Sackbahnhof, egal, jetzt heisst es rein in die Kartoffeln! Ja verruckt: Die Härdöpfuchäuer ist zum Bersten voll, und das mitten im Rüeblikanton. Nie zuvor bin ich in Schöftland gewesen und blicke folglich ­ bis auf die Oltner Delegation ­ in mir völlig unbekannte Gesichter. Vorne links gleich die Lüthis, dahinter die Helfrichs (3. Reihe rechts, Platz 3 und 4). Die Heinigers sind auch gekommen, ein wenig versteckt in Reihe 4, und die Affolters sind gleich in Cinemascope erschienen und haben sich über eine ganze Reihe ausgebreitet. Allesamt Leute wohlgemerkt, die ich nie in meinem Leben gesehen habe. Falls Ihnen die Namen arg klischeehaft erscheinen: der Veranstalter hat sie säuberlich auf Zetteln notiert, um den Herrschaften die Plätze zu reservieren, da ist es 1.) leicht, alle abzuschreiben und 2.) ein billiger Trick, um die Personen gleich persönlich anzusprechen. Die Lüthis, Helfrichs, Heinigers und Affolters haben ihren Plausch.

Der Keller ist feucht wegen der früheren Härdöpfu, was soviel wie Kartoffeln heisst, zudem scheint er absolut resistent gegen die Anfechtungen der Moderne zu sein. Seine Wände ­ vielleicht aus getrocknetem Kartoffelstock ­ sind dekoriert mit Fotos der Künstler, die im letzten Vierteljahrhundert in Schöftland gastiert haben, man sieht da einen jungenhaften Kabarettisten und dort das Portrait des Schriftstellers als Bub, und man freut sich über die enormen Fortschritte im Bereich der Gesichtsbehaarung, die wir seit den 70ern machen durften. Mein Vorschlag, den Künstlern die Aufnahmen für teuer Geld zum Rückkauf anzubieten, um sie endgültig den Blicken einer belustigten Öffentlichkeit zu entziehen, wird von Veranstalterseite wohlwollend aufgenommen.

Hier kann sich ­ von Bestuhlung und Espressomaschine einmal abgesehen ­ seit 1981 nichts Entscheidendes geändert haben. Dennoch bzw. deshalb ist der Laden voll, die Schöftländer haben alles richtig gemacht. Davon zeugt auch die Garderobe, die an Nichtauftrittstagen, also meistens, als Büro genutzt wird. Das erste seiner Art, das ohne Papierkorb auskommt! Die müssen nie was wegschmeissen, bewundernswert, es sei denn, die haben irgendwo einen Shredder deponiert! Diese Dinger stehen ja mittlerweile in jedem 2. Haushalt ­ wozu eigentlich? Um Endiviensalat herzustellen?

Raus aus den Kartoffeln. Von Schöftland nix gesehen: Im Dunkeln angekommen und gleich vom Keller verschluckt und später wieder ausgespuckt.